Deutscher Gewerkschaftsbund

14.08.2020
FinTech N26 bekämpft Betriebsratsgründung

Update: Wahlvorstand steht - Betriebsratswahl bei N26 wird organisiert

Das FinTech-Unternehmen N26 versucht mit fadenscheinigen Argumenten die Gründung eines Betriebsrats zu verhindern. Die Beschäftigten und ver.di halten dagegen. Der Weg für betriebliche Mitbestimmung ist nun frei.

Mann mit Smartphone

DGB/pexels.com/Andrea Piacquadio

Update 14. August 2020 15:35h

Die gute Nachricht: Alle Versuche der Arbeitgeber, die Gründung eines Wahlvorstands bei N26 zu verhindern, sind gescheitert. Auf Twitter vermeldeten die Beschäftigte: "N26 GmbH hat einen Wahlvorstand gewählt. Sie werden nun beginnen, die Betriebsratswahl zu organisieren."

 

 


Update 14. August 2020 13:35h

Mit harten Bandagen gehen die N26-Eigentümer gegen die Gründung eines Betriebsrats vor. So haben sie gezielt versucht, ver.di von der Versammlung auszuschließen. Allerdings hat die IG Metall diesen Platz übernommen, so dass die Versammlung stattfinden konnte. Zwischenzeitlich wurde dann noch die Polizei gerufen, um die Einhaltung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen. Das Ergebnis: Keine Verstöße und Beanstandungen.

ver.di kommentiert auf Instagram den Vorgang

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🤦‍♀️ Dass es immer noch Arbeitgeber*innen gibt, die denken, dass sie die Rechte der Beschäftigten einfach so boykottieren könnten... Jüngstes Beispiel: das #Fintech Startup #N26. Das Unternehmen mit SItz in Berlin hat mittlerweile 1300 Mitarbeitenden. Aber keinen #Betriebsrat. Wenn man sich folgende Aussage des Managements ansieht, erkennt man schnell, warum: denn eine Betriebsratsgründung stünde "gegen fast alle Werte, an die wir bei N26 glauben". #Demokratie im Betrieb? Unerwünscht. Deshalb sabotiert das N26-Management auch massiv die Betriebsratswahlen. So wird nicht nur Druck auf die Mitarbeiter*innen ausgeübt, die sich organisieren, sondern auch einstweilige Verfügungen gegen die Veranstaltenden der Versammlungen zur Bildung eines Wahlvorstands erwirkt. Gestern sind wir als Veranstalterin eingesprungen, damit die Belegschaft den Wahlvorstand trotzdem bilden konnte. Daraufhin wurde gegen uns eine einstweilige Verfügung erwirkt. Daraufhin erklärte sich unsere Schwester-Gewerkschaft @ig_metall bereit als Veranstalterin zu fungieren. Das ist gelebte #Solidarität! Gemeinsam gegen #Ungerechtigkeit. Herzlichen Dank allen Beteiligten. 🤝 #Gewerkschaftsliebe ❤️🧡💛💚💙💜 Infos im Bio-Link. #wirsindverdi @dgb_bund . . . #Gewerkschaft #Zusammenhalt #gemeinsamstark #zusammen #Arbeit #Arbeitsrecht #banking #bank #finance #startup #startups #gründerszene #techjobs #organize #unionize

Ein Beitrag geteilt von Gewerkschaft ver.di (@wirsindverdi) am

Nachricht der N26-Beschäftigten auf Twitter dazu:

Works Council @ N26

„N26 has filed another restraining order to prevent today's Electoral Board Selection for N26 GmbH, this time against the union ver.di. As such, IG Metall has stepped in to chair today's meeting. It will take place at the same venue, with the time delayed so people can make it.“


N26: Harte Bandagen gegen Betriebsratgründung

Die schöne, bunte Startup-Welt ist bei der Online-Bank N26 dann doch nicht so flauschig, wie es die Gründer gerne nach außen verkaufen. Medien berichten über die schlechte Stimmung in der Belegschaft. MitarbeiterInnen fürchten laut netzpolitik.org, dass ihre Verträge nicht verlängert werden und generell ein sehr hoher Arbeitsdruck besteht. Dabei ist das FinTech schon lange kein sympathisches Hinterhof-Startup mehr. Großinvestoren aus den USA und China haben viel Geld in die Online-Bank gesteckt und erwarten rasantes Wachstum. An mehreren Standorten arbeiten rund 1500 Beschäftigte für die Online-Bank, die ihren Kunden Kontonutzung per Smartphone-App bereitstellt.

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Betriebsratsgründung: N26 mit juristischem Manöver

Wegen des schlechten internen Klimas wollen die Beschäftigten gemeinsam mit ver.di einen Betriebsrat gründen. Nach dem in den vergangenen Wochen bereits Medienberichte aufgedeckt haben, dass es hinter den Fassaden rumort, kam diese Woche das juristische Gegenmanöver der Arbeitgeber. Per Gerichtsbeschluss wollte N26 die Betriebsversammlungen verhindern, bei denen die Wahlvorstände konstituiert werden sollten – aus Hygienegründen. Doch die juristische Volte war nicht erfolgreich, die Versammlungen dürfen nun stattfinden. Der Betriebsratsgründung steht nichts mehr im Weg. Auf einer eigens eingerichteten Webseite der Beschäftigten gibt es FAQs und Terminhinweise.

Betriebsrats-Initiatoren: Vertrauen auf „historischem Tiefstand“

Auf der Webseite beschreiben die Initiatoren, warum aus ihrer Sicht ein Betriebsrat bei N26 unerlässlich ist. Dort heißt es:

„Das Vertrauen und die Zuversicht in das Management von N26, das das Wohlergehen der gesamten Belegschaft sicherstellt, ist auf einem historischen Tiefstand, und die Ergebnisse der jüngsten Umfrage zum Engagement sind entmutigend. Wir haben gesehen, dass sich unser Management der Unzufriedenheit der Mitarbeiter bewusst ist. Maßnahmen wie die Einrichtung eines „Employee Experience“-Teams, das dazu beitragen soll, diese Unzufriedenheit abzuschwächen, sind ein positiver erster Schritt, aber sie reichen nicht aus.“ Der Betriebsrat komme ins Spiel, um Probleme und Anliegen im Unternehmen ohne Druck der Unternehmensleitung richtig zu kommunizieren und zu diskutieren.

N26: Betriebsrat „gegen fast alle Werte, an die wir glauben“

Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Denn in einem Brief an die Belegschaft offenbaren die Arbeitgeber ein seltsames Demokratieverständnis: Ein Betriebsrat stünde „gegen fast alle Werte, an die wir bei N26 glauben“, heißt es laut Finance Forward an die MitarbeiterInnen. Und weiter: „Antrieb: Es verlangsamt uns. Einfachheit: Es macht unsere Zusammenarbeit komplexer und hierarchischer. Integrität: Es untergräbt eine Kultur des Vertrauens und könnte zu einem erhöhten Maß an Konfrontation führen. Exzellenz: Es ist kein zeitgemäßes Instrument des Mitarbeiterengagements und schränkt die persönliche Karriereentwicklung und Wirkung ein.“

Scharfe Kritik aus Politik, Gewerkschaften und in den sozialen Medien

Aus allen Bereichen der Gesellschaft gab es scharfe Kritik für das Demokratie- und Rechtsverständnis des Unternehmens. Der Deutsche Gewerkschaftsbund schrieb in den sozialen Netzwerken: „Wenn geltende Gesetze gegen eure Werte verstoßen, stimmt was nicht“. Auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken meldete sich auf Twitter zu Wort: „Die #Digitalisierung verändert vieles, aber das bleibt: #AnständigeLöhne, #Arbeitnehmerrechte und das Recht zur #Mitbestimmung gehören zur unternehmerischen Verantwortung. #n26“.

Weitere Infos gibt es unter:

Auf netzpolitik.org...

Auf financefwd.com...

Auf heise.de...


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