Deutscher Gewerkschaftsbund

14.06.2019

Infografik: Wo Jobs wegfallen könnten nach Osborne und Frey

Die Studie der beiden Wissenschaftler Osborne und Frey aus dem Jahr 2013 hat weltweit für Aufsehen gesorgt. In einer umfassenden Analyse haben sie versucht zu ermitteln, welche Jobs durch Digitalisierung und Automatisierung in den USA gefährdet sind. Eine Infografik zeigt, welche Berufe ein erhöhtes Risiko haben, durch Maschinen ersetzt zu werden. Zudem haben wir Links zu weiteren anschließenden Studien zusammengestellt.

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Die zentrale Aussage ihrer Analyse lautet:

„Nach unserer Schätzung befinden sich 47 Prozent der gesamten US-Beschäftigung in der Kategorie mit hohem Risiko, was bedeutet, dass die damit verbundenen Berufe potenziell über eine unbestimmte Anzahl von Jahren, vielleicht ein Jahrzehnt oder zwei, automatisierbar sind.“

“According to our estimate, 47 percent of total US employment is in the high risk category, meaning that associated occupations are potentially automatable over some unspecified number of years, perhaps a decade or two.”

Bundesarbeitsministerium: Übertragung der Studie von Frey/Osborne (2013) auf Deutschland

Im Auftrag des BMAS hat Prof. Dr. Holger Bonin vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung eine Studie vorgelegt, die die Ergebnis von Frey/Osborne auf Deutschland übertragen. Ein Fazit lautet:

"Im Vergleich zu den USA ist der Anteil der Arbeitsplätze mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit in Deutschland etwas größer. Dies ist auf Unterschiede in den Tätigkeitsstrukturen der Länder zurückzuführen. Die Unterschiede in den Tätigkeitsstrukturen beider Länder sind zwar vergleichsweise klein für einen detaillierten Vergleich der Tätigkeitsstrukturen beider Länder – es fallen aber einzelne Tätigkeiten auf, die in den USA häufiger ausgeführt werden als in Deutschland und die mit einer geringeren Automatisierungswahrscheinlichkeit einhergehen. Dies umfasst die Tätigkeiten Personen unterrichten, Präsentieren, Aktivitäten Anderer planen und Bücher/Anleitungen lesen. Dies sind Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit Fortbildung, Zusammenarbeit und Management stehen und die zum Teil schwer automatisierbar sind. Die Arbeitsplätze sind in den USA stärker auf diese Bereiche fokussiert als Arbeitsplätze in Deutschland, was die tendenziell höheren Automatisierungswahrscheinlichkeiten für Deutschland erklären könnte."

Hier der Link zur Studie...

Analyse:  Arbeit ist kein Auslaufmodel

Die Hans-Böckler-Stiftung hat 2017 eine Untersuchung veröffentlicht unter dem Titel „Beschäftigungswirkungen der Digitalisierung und kein Ende der Arbeit?“ Dr. Siegfried Timpf kommt dort zur Schlussfolgerung:

„(Erwerbs-) Arbeit ist kein Auslaufmodell, sondern sie ändert Inhalt und Form, abhängig von Technologien und deren sozialen Gestaltungen. Inhalte, Ausmaß, das Verhältnis von Arbeitsteilung und Kooperation sowie Anteile innerhalb des gesellschaftlichen Gesamtarbeitsvolumens können unter dieser Voraussetzung als gestaltbares Potential verstanden werden. Die Erfahrungen, die gegenwärtig gemacht werden, sind unter diesen Voraussetzungen zu beurteilen.“

Timpf zitiert auch weitere Studien, die an Frey/Osborne angeknüpft haben:

„In der Folge hat die Studie von Frey/Osborne eine Reihe von Studien angeregt, die mit unterschiedlichen Datenbeständen und Methoden zu ähnlichen, aber auch zu signifikant abweichenden Ergebnissen gelangten. So gehen Brzeski/Burk davon aus, dass in einem Zeitraum von 10-20 Jahren etwa 59% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland durch Computer ersetzt werden könnten. Sie gehen jedoch von einem „schleichenden“ Prozess aus, in dem es nicht zu abrupten Arbeitsplatzverlusten kommen wird (Brzeski/Burk 2015). Und – sie sehen hohe negative Kosten, die von Einzelnen zu tragen sind.“

„Andere ForscherInnen schätzen die Wahrscheinlichkeit auf ca. 42 Prozent und verweisen auf weitere Bedingungen, welche die Wahrscheinlichkeit des Eintretens der Prognose beeinflussen. Dagegen gehen Dengler/Matthes (2015) in ihrer Studie davon aus, dass ein massiver Abbau der Beschäftigung im Prozess der Digitalisierung gegenwärtig nicht begründet ist: „Etwa 15 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind in Deutschland mit einem sehr hohen Substituierbarkeitspotenzial konfrontiert. Dies muss aber nicht heißen, dass 15 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen, da es sich lediglich um Substituierbarkeitspotenziale handelt. Ob diese Tätigkeiten dann tatsächlich von Computern ersetzt werden, hängt von weiteren Faktoren ab.““

Hier der Link zur Analyse...

Und der Link zur Studie von Osborne und Frey:

Frey, C. B./Osborne, M. A. (2013): The Future of Employment: How Susceptible are Jobs to Computerization?, Oxford Martin School (OMS) working paper, University of Oxford, Oxford

 


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